Unter den Begriff Handwerk fallen eine Vielzahl gewerblicher Berufe, die sich alle auf die Herstellung oder Lieferung von Produkten oder Dienstleistungen auf Bestellung konzentrieren. Hierbei gibt es eine durch die Handwerksordnung ausgewiesene Liste, die jene Berufe anführt, die unter handwerkliche Tätigkeiten fallen. Diese Berufe sind in verschiedenen Bereichen angesiedelt, zu denen beispielsweise der Bereich Holz, der Bereich Bau- und Ausbaugewerbe, aber auch der Bereich Gesundheitsgewerbe zählen.
Insgesamt gibt es hierbei in Deutschland ca. 887 000 Betriebe, in denen der handwerkliche Beruf ausgeübt wird und in denen rund fünf Millionen Menschen tätig sind. Außerdem gibt es in diesen Betrieben insgesamt rund 500 000 Auszubildende, was in Prozentzahlen bedeutet, dass rund 13 % der Erwachsenen und 31 % aller Auszubildenden in der Handwerksbranche tätig sind. Die Handwerksbranche ist somit also auch weiterhin stark besucht und scheint zu gedeihen.
Erfolg im Ausland
Ein Hauptkriterium für den scheinbar anhaltenden Erfolg, der die Aufträge häufig bei deutschen Firmen überlässt und sich somit gegen die internationale Konkurrenz gerade auf dem geöffneten europäischen Markt durchsetzt, ist hierbei vor allem Qualität bzw. Sorgfalt. Vor allem in der Ausbildung der Handwerker wird häufig besonders darauf geachtet, dass gründlich gearbeitet und gerade bei Prüfung exakt vorbereitet wird.
Doch trotz der oftmals guten bzw. sorgfältigen Ausbildung der Handwerker und ihrer, gerade im internationalen Vergleich, hervorragenden Qualifikation, können sie mit den Löhnen anderer Berufe nur schwer bzw. gar nicht mithalten. So liegt der Durchschnittslohn in der Handwerksbranche um 22 % niedriger als der in der Industrie.
Gerade auch in Zeiten von wirtschaftlichen Krisen, die geprägt sind von Einsparungen und Kürzungen, aber auch im immer schnelleren Zeitalter, das möglichst schnell Ergebnisse erzielt haben möchte, sind Handwerksbetriebe darauf angewiesen bzw. sehen sich gezwungen, bei Arbeiten nicht mehr nur Fachkräfte einzustellen und so sind grade billigere Lohnarbeiter, sowohl aus Deutschland als auch aus ärmeren Ländern, in einigen Handwerksbetrieben zu finden. 2003 beispielsweise lag der Anteil der gelernten Facharbeiter bei nur noch 40 %, während knapp 20 % ungelernte Arbeiter waren.
Durch den Zeitdruck, den immer mehr Auftragsgeber auf die Handwerksbranche ausüben, kommt es außerdem vor, dass die Sorgfalt leidet.
Des Weiteren kann es vorkommen, dass gerade aufgrund der wirtschaftlichen Situation immer mehr Firmen nach Handwerkern bzw. Handwerksbetrieben im Ausland suchen und dadurch die Situation der ansässigen Handwerksbetriebe weiter verschärfen.
Industrialisierung
Gerade Handwerksberufe wie Schreiner oder auch Schuster sehen sich jedoch noch mit einem anderen Problem konfrontiert. Durch die Industrialisierung und die Übernahme unterschiedlichster handwerklicher Aufgaben durch etwaige Maschine, mit Hinblick auf eine kommerziell effektivere Massenproduktion, sehen sich viele Handwerker in Konkurrenz zu großen Firmen, der sie selten stand halten können. Nicht zuletzt da ihre handgefertigten Produkte eine wesentlich längere Herstellungszeit benötigen, sowie nur in geringerer Stückzahl, als bei Massenproduktion möglich, produziert werden können. Oftmals sind die Produkte jener Berufe der Handwerksbranche auch wesentlich teurer und somit grade in wirtschaftlich schlechteren Zeiten, in denen mehr gespart wird, den industriell gefertigten Produkten unterlegen.
Dies alles kann letztlich dazu führen, dass die Handwerksbranche immer weiter an Sorgfalt und Qualität, auch und gerade im Ausbildungsbereich verliert und somit im internationalen Vergleich an Konkurrenzfähigkeit einbüßt.
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